Silbermedaillen – Wert, Bewertung und Ankauf
Silbermedaillen wurden über Jahrhunderte aus den unterschiedlichsten Anlässen geprägt. Sie erinnern an historische Ereignisse, Jubiläen und bedeutende Persönlichkeiten oder wurden als Auszeichnungen für besondere Leistungen verliehen. Vor allem ältere Medaillen sind häufig nicht nur wegen ihres Silbergehalts interessant. Prägeanlass, Seltenheit, Erhaltung und nicht zuletzt der Künstler oder Medailleur können ihren Sammlerwert bestimmen.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Silbermedaillen zunehmend auch gezielt für den Sammlermarkt hergestellt. Besonders seit den 1970er Jahren brachten Münzhandelsgesellschaften zahlreiche Serien zu historischen, kulturellen und anderen populären Themen heraus. Diese modernen Medaillen bestehen häufig aus 999er Feinsilber oder 925er Sterlingsilber und wurden vielfach in Polierter Platte, in Kapseln und aufwendigen Schmuckkassetten mit Zertifikaten angeboten.
Medaillen werden von Laien häufig mit Gedenkmünzen verwechselt. Der wesentliche Unterschied: Eine Münze wird von einem staatlich legitimierten Emittenten als Zahlungsmittel mit einem Nominalwert ausgegeben. Eine Medaille besitzt dagegen keinen gesetzlichen Geldwert. Auf ihr findet sich daher normalerweise keine Währungs- und Nominalangabe.
Für die Bewertung ist diese Unterscheidung wichtig. Während bei vielen modernen Silbermedaillen heute vor allem der enthaltene Silberwert maßgeblich ist, können historische Medaillen einen erheblichen Sammlerwert besitzen.

Verschiedene neuzeitliche Silbermedaillen: US Präsident
Taylor, Hermann Löns, 1100 Jahre Oelde, Johann Gottfried
Herder, Marseillaise (200 Jahre französische Revolution),
Hansestadt Soest
Was sind Silbermedaillen wert?
Der Wert einer Silbermedaille hängt nicht allein von ihrem Silbergehalt ab. Bei vielen modernen Medaillen, die in größeren Auflagen für Sammler hergestellt wurden, bildet der Materialwert des enthaltenen Silbers die wichtigste Grundlage für den Ankaufspreis. Ein ursprünglich hoher Ausgabe- oder Kaufpreis bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass die Medaille heute einen entsprechend hohen Sammlerwert besitzt.
Anders kann es bei älteren und historischen Medaillen aussehen. Seltenheit, Prägeanlass, Medailleur, Erhaltung und Nachfrage können dazu führen, dass eine Medaille deutlich über ihrem reinen Silberwert gehandelt wird. Besonders bei historischen Stücken sollte deshalb zunächst geprüft werden, ob ein numismatischer oder medaillenkundlicher Wert vorhanden ist.
Auch bei kompletten Serien, Kassetten und Sammlungen moderner Silbermedaillen ist eine pauschale Bewertung schwierig. Zertifikate, aufwendige Verpackungen oder eine niedrige aufgedruckte Auflagennummer sind für sich allein noch kein Beleg für einen hohen Wiederverkaufswert. Entscheidend ist, ob für die betreffende Ausgabe tatsächlich ein Sammlermarkt besteht.
Silbermedaillen sollten daher nicht ungeprüft ausschließlich nach Gewicht verkauft werden. Bei der Bewertung unterscheiden wir zwischen Stücken, deren Wert hauptsächlich im enthaltenen Silber liegt, und Medaillen, bei denen ein darüber hinausgehender Sammler- oder Handelswert berücksichtigt werden sollte.


Historische Silbermedaille aus dem Jahre 1869 von H. F.
Brehmer auf die Silberhochzeit Adolf Georg von
Schaumburg-Lippe mit Hermine, Prinzessin von Waldeck.
Einige bekannte Medailleure und Stempelschneider:
Adolf Amberg (1874-1913)
Josef Bernhart (1883-1967)
Rudolf Bosselt (1871-1938)
Heinrich Friedrich Brehmer (1846-1878)
Fritz Christ (1866-1906)
Heinrich Ehehalt (1879-1938)
Gottlieb Elster (1867-1917)
Eberhard Encke (1881-1936)
Max Esser (1885-1943)
Hans Frei (1868-1947)
Karl Goetz (1875-1950)
Ernst Gorsemann (1886-1960)
Friedrich Wilhelm Hörnlein (1873-1945)
Hermann Kurt Hosaeus (1875-1958)
Bruno Karberg (1896-1967)
Joseph Kowarzik (1860-1911)
Albert Krämer (1889-1953)
August Krauss (1868-1934)
Max Lange (1868-1943)
Ludwig Christoph Lauer (1817-1873)
Friedrich Lommel (1883-1967)
Alfred Lörcher (1875-1962)
Daniel Fr. Loos (1735-1819)
Emil Manz (1880-1945)
Ludwig Mergehenn (1884-1954)
Philipp Heinrich Müller (1654-1719)
Max Olofs (1889-)
Rudolf Pauschinger (1882-1957)
Georg Römer (1868-1922)
Karl Roth (1900-1967)
Richard Scheibe (1879-1964)
Fritz Schmidt (1876-1935)
Hans Schwegerle (1882-1950)
Alfred Vocke (1886-1944)
Karl Weinberger (1885-1939)
Gustav Wiethüchter (1873-1946)
Albert Moritz Wolff (1854-1923)
Heinrich Zimmermann (1874-1947)
Fachliteratur zu Medaillen und Medailleuren:
- Bennert, J. E.: Bismarck-Medaillen. Köln 1905.
- Bernhart, M.: Die Münchener Medaillenkunst der Gegenwart. München und Berlin 1917.
- Brockmann, G.: Die Medaillen der Welfen. Köln 1985.
- Binder, Chr.: Württembergische Münz- und Medaillenkunde. Stuttgart 1986.
- Dory, L. u. Kubinszky, M.: Die Eisenbahn auf der Medaille. FFM. 1985.
- Fläming, O.: Monogramme auf Münzen, Medaillen, Marken, Zeichen und Urkunden
- Forrer, L.: Biographical dictionary of medallists: coin-, gem-, and seal-engravers, mint masters, & c., ancient and modern. London 1904-1930.
- Helmschrott, K.: Würzburger Münzen und Medaillen.
- Leschhorn, W.: Braunschweigische Münzen und Medaillen: 1000 Jahre Münzkunst und Geldgeschichte in Stadt und Land Braunschweig
- Martin, J. L.: Die Medaillen der Schweiz. Lausanne 1979.
- Sommer, K.: Die Medaillen des königlich preussischen Hof Medailleurs Daniel Friedrich Loos und seines Ateliers. Osnabrück 1981.
- Stricker, H.: Deutsche Medaillen aus der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) und ihr geschichtlicher Hintergrund