Kurt Jaeger und seine Münzkataloge


Der Numismatiker Kurt Jaeger. Bronzemedaille von Franz Dákay zum 60. Geburtstag 1969
Der Name Kurt Jaeger (geb. 19. Dezember 1909 in Stuttgart, gest. 6. Dezember 1975 in Korntal) dürfte jedem Sammler Deutscher Münzen ein Begriff sein. Mit seinen Münzkatalogen, beginnend mit dem "Katalog der Deutschen Reichsmünzen seit 1871" schuf er eine Nomenklatur, die bis heute Gültigkeit hat und vielen Münzsammlern ohne nachzuschlagen geläufig ist. "JAEGER 388" - das ist eben die 5 D-Mark Gedenkmünze Germanisches Museum aus dem Jahre 1952 und die 388. Position im Jaeger-Katalog. Für Münzhändler und Sammler ist er das wichtigste Zitierwerk für die deutsche Münzen dieses Zeitabschnitts. Aus dem ersten Jäger-Katalog, einem kleinformatigen Bändchen mit nur 104 Seiten ist mit der 29. Auflage aus 2025 ein umfangreiches Katalogwerk mit 1032 Seiten geworden, das auch die aktuellen deutschen Euro Kurs- und Gedenkmünzen mit den offiziellen Prägezahlen dokumentiert.
Kurt Jaeger scheint schon als Jugendlicher einen ausgeprägten Ordnungssinn gehabt zu haben. Sein Bestreben war es, das erlebte zu notieren und in ein System zu bringen. So erstellte er Anfang der 1920er Jahre ein Bahnenbuch, ein Verzeichnis der Motor- und Anhängerwagen der Stuttgarter Straßenbahnen. Angeregt durch seinen Vater, der auch Briefmarken- und Münzensammler war, begann er analog zu den schon häufiger vorhandenen Briefmarkenkatalogen auch die zeitgenössischen Münzen zu katalogisieren. Briefmarken hatte er schon seit dem 8. Lebensjahr gesammelt. Münzlisten waren Anfang des 20. Jahrhunderts noch nicht so verbreitet und vernachlässigten offenbar Kleinmünzen, für die sich der jung Kurt Jaeger besonders interessierte, da vor allem diese für ihn erschwinglich und erreichbar waren. Der Katalog, den er erstellte war streng chronologisch und begann mit den Kleinmünzen. Schon 1921 (Jaeger war 12!) stand das Gerüst seines Verzeichnisses in dem er gerade als letzte Münze mit der Nummer 301 das 50 Pfennigstück aus Aluminium von 1919 eingetragen hatte.

Die 1. Auflage des Jaeger-Kataloges (1942) mit dem Titel "Die Deutschen Reichsmünzen seit 1871"
Es sollte jedoch bis zum Jahre 1942 dauern, bis der erste Jägerkatalog in einer Auflage von 5000 Exemplaren in den Druck ging. In Berlin lernte Jaeger Dr. Wilhelm Engelhardt (geb. 1901 in Wien, gest. 1972 in Berlin) den großen Sammler und langjährigen Vorsitzenden der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin kennen, der zu seinem Sammlerfreund und Mentor wurde und ihn anregte, den Münzkatalog zu veröffentlichen. 1944 folgte eine hektografierte Kriegsausgabe im Umfang von 36 Seiten, die in der Auflagenzählung jedoch zunächst nicht vorkommt.
Kurt Jaeger studierte nach dem Abitur Chemie und wurde später Geschäftsführer in der elterlichen Lackfabrik Paul Jaeger und Co. KG in Stuttgart Feuerbach. Mit ganzem Herzen war er jedoch Münzensammler und Katalogschreiber. Er schätzte die wahren Münzsammler, die Münzen zum Erkenntnisgewinn und aus Freude an der Sache sammeln und nicht nur auf eine Wertsteigerung spekulieren.
Jaeger sagt von sich, dass er nach dem 2. Weltkrieg immer mehr vom Sammler zum Katalogschreiber wurde. Seine Intention war, die z.B. aus Preisgründen zum Teil unerreichbaren Münzen wie beim Gold, oder vergessene Kleinmünzen, möglichst vielen Sammlern mit seinen Büchern zur Kenntnis zu bringen. Im Vergleich zu Briefmarken, boten für ihn Münzen umfassendere Einblicke in die wirtschaftliche, kulturelle und geschichtliche Entwicklung eines Landes. Das Münzen sammeln stand von nun an immer im Dienst der Veröffentlichung eines Buches zum Sammelgebiet. Danach war er bereit, sich von der Münzsammlung zu trennen und sich einem neuen Sammelgebiet und Buchthema zu widmen. Kurt Jaeger war auch maßgeblich an der Aufdeckung des Skandals um gefälschte Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs beteiligt, den sogenannten Schmidt-Hausmann Fälschungen, auf die im Jaeger Katalog hingewiesen wird.

Jaeger Katalog 3. Auflage 1956
Die 3. Auflage enthält nun Tabellen die die Prägezahlen differenziert nach Jahren und Münzstätten aufführen. Erstmalig werden auch Münzproben, unbefugte Prägungen und Fehlprägungen aufgenommen, sowie die Prägungen für Böhmen und Mähren und das Saarland. Insgesamt sind ohne Kriegs- und Kolonialmünzen 3054 unterschiedliche Münzen aufgelistet.
Die ersten Auflagen der Jaeger-Kataloge waren reine Verzeichnisse ohne Bewertungen der Münzen. Zahlreiche Anfragen und Bitten diesbezüglich veranlassten Jaeger dann zur Herausgabe der "Bewertungstabellen der deutschen Reichsmünzen seit 1871", die erstmals 1951 erschienen.
Von 1971 bis 1974 war Kurt Jaeger Präsident der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte in Frankfurt am Main, bekannt als Herausgeber der Geldgeschichtlichen Nachrichten.
Literatur von und über Kurt Jaeger:
- Kurt Jaeger: Katalog der deutschen Reichsmünzen seit 1871. Gerber, München 1942
- dito 2. Ausgabe 1944 als hektografierte Kriegsausgabe
- dito 2. Auflage erschienen 1948
- dito 3. Auflage Münzen und Medaillen AG Basel 1956
- dito 8. Auflage 1969 erstmals mit Bewertungstabellen in einem Band
- Kurt Jaeger/Michael Kurt Sonntag: Die deutschen Münzen seit 1871. Bewertungen mit aktuellen Marktpreisen. Battenberg Verlag. 29. Auflage. 2026/2027. (aktuelle Ausgabe)
- Kurt Jaeger: Die Zahlungsmittel in Deutschland seit 1948., Münzen und Banknoten mit Bewertungen. Münzen und Medaillen AG. Basel 1972.
- Kurt Jaeger: Die deutschen Münzen seit 1871 - Bewertungstabellen mit der Möglichkeit zur Führung von Bestandslisten. Basel. 1967.
- Kurt Jaeger: Sammeln aus Interesse - Sammeln, eine Leidenschaft - Sammeln wird zur Wissenschaft. In: Münzsammler berichten. Wie ich zum Sammeln kam. Battenberg. München. 1972.
- Kurt Jaeger: Die neueren Münzprägungen der deutschen Staaten vor Einführung der Reichswährung. Basel. 1951. ff.
- H.H. Kricheldorf, Nachf.: Katalog zur Auktion XXXIX Münzen und Medaillen Antike, Mittelalter, Neuzeit. Freiburg vom 6.-7.02.1987. Enthaltend Münzen Teil II aus dem Nachlaß von Kurt Jaeger (Nrn. 307-970). Mit einem Vorwort von Monika Jaeger-Roller.