Die Briefmarken der Schweiz

Basler Taube Briefmarken der Schweiz
Basler Dybli (Taube), 2½ Rappen Marke des Kanton Basel-Stadt
Erstmals ausgegeben am 1. Juli 1845. Die erste mehrfarbige Briefmarke überhaupt.

Als am 1. März 1843 in Zürich die ersten Postwertzeichen ausgegeben wurden, war das Land nach Grossbritannien erst das zweite der Welt, das Briefmarken als Gebührenmarke für die Briefbeförderung herausgab. Kritiker führen hier zwar an, dass es sich bei Zürich nicht um einen souveränen Staat, sondern lediglich um einen Kanton handelte. Der Zürcher Regierungsrat hatte kurz zuvor eine Vereinfachung der Posttaxen beschlossen und dafür zwei Wertstufen geschaffen: 4 Rappen für Sendungen innerhalb der Stadt, 6 Rappen für den übrigen Kantonsbereich. Das Vorbild für dieses Verfahren der Portovorauszahlung war die englische „One Penny Black" von 1840.

Zu dieser Zeit existierte noch kein gemeinsames Schweizer Postwesen – jeder der damals 22 Kantone verfügte über eine eigene Wehr-, Zoll-, Münz- und Posthoheit. So entstanden in den Folgejahren weitere kantonale Ausgaben, die aufgrund zum Teil kleiner Auflagen heute einen hohen Sammlerwert haben. Genf brachte im September 1843 seine berühmte Doppelmarke heraus, im Volksmund „Doppelgenf" genannt. Es handelt sich hie um einen Zusammendruck, der als Ganzes für den kantonalen Versand galt, in halbierter Form aber auch für Sendungen innerhalb der Stadt genutzt werden konnte. Basel folgte 1845 mit einer vom Architekten Melchior Berri gestalteten 2,5-Rappen-Marke, die als „Basler Taube" bekannt wurde, die erste mehrfarbige Briefmarke der Welt.

Schweiz 40 Rappen Helvetia
Sitzende Helvetia/Strubeli (Mi Nr. 17), 40 Rappen ungezähnt, Erstausgabe 15. 9. 1854

Den entscheidenden Wandel brachte die Gründung des Schweizer Bundesstaates 1848: Das kantonale Postwesen ging in eidgenössische Hände über, und am 1. Januar 1849 nahm die Schweizerische Bundespost ihre Arbeit auf. Nach einer rund zweijährigen Übergangsphase erschienen 1850 schliesslich die ersten landesweit gültigen Briefmarken. Ihnen folgte 1854 die Ausgabe mit der sitzenden Helvetia. Auf dem Druckbild wirkte der Siegeskranz der Helvetia wie zerzaustes Haar, so dass bald der Spitzname „Strubeli" für die Briefmarke gebräuchlich wurde. Ab Oktober 1862 wurden die Marken erstmals gezähnt, und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb die Helvetia das prägende Motiv der Schweizer Briefmarken.

erste Sondermarke der Schweiz 25 Jahre Weltpostverein
25 Rappen 25 Jahre Weltpostverein, die erste Sondermarke der Schweiz. Ausgabedatum 1. Juli 1900.
Allegorische Darstellung der Helvetia mit Telegrafenmast und Briefen vor Weltkugel.

Auch in der Schweiz setzte bald eine rege Sammlertätigkeit ein. Fachzeitschriften und Vereinsgründungen, etwa der Schweizerische Philatelistenverein Zürich im Jahr 1883. Im 20. Jahrhundert erweiterte sich das Themenspektrum: Noch vor dem Ersten Weltkrieg begann die Schweiz mit Wohltätigkeitsmarken zugunsten der Pro Juventute, deren Erlöse insbesondere während der Weltkriege der Linderung kriegsbedingter Not dienten. Bis in die 1940er-Jahre dominierten dabei nationale Sujets wie die Alpen, Wilhelm Tell, Wappen und Trachten das Bildprogramm der Marken. Heute findet sich auf Schweizer Briefmarken die Inschrift «Helvetia», um keine Sprache der Schweiz zu bevorzugen. Seit dem Jahr 1964 gibt es ein Postleitzahlen-System.

Wenn Sie sich für die Post- und Briefmarkengeschichte der Schweiz interessieren, empfehlen wir folgende weiterführende Literatur:

- Ernst Zumstein: Spezialkatalog und Handbuch über die Briefmarken der Schweiz. Verschiedene Auflagen.
- Max Hertsch/Kurt Wirth: Schweizer Briefmarken. 2 Bände Zürich, Silva, 1973
- Richard Schäfer: Der Briefpostverkehr Schweiz-Ausland 1459-1907. Multipress Verlag AG, Reinach 1995
- Jean J. Winkler: Handbuch der Schweizer Vorphilatelie 1695–1850. Verlag Verband Schweizerischer Philatelisten-Vereine, Zürich 1968
- Arthur Wyss: Die Post in der Schweiz. Ihre Geschichte durch 2000 Jahre. Hallwag AG, Bern 1987

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